Grashdanskaja Oborona (GrOb)

Die Musik von GrOb Grashdanskaja Oborona (GrOb) aus Omsk/Sibirien ist eine schlecht aufgenommene, leise, unkenntliche Geräuschkulisse hinter Egor Letovs Stimme; diese leidenschaftliche Stimme klingt so, als würde ihm jedes ausgesprochene Wort die Brust zerreißen. Und wenn man sie länger anhört, verfällt man in eine taube Schwermut, die man schon immer zu verdrängen versuchte. Aber wenn diese Schwermut einen überwältigt hat, erscheint sie gar nicht mehr bedrohlich, eher verlockend... Ich hörte GrOb ein Jahr lang, ohne die Lieder auseinanderhalten zu können - sie fielen über mich wie ein modrig riechender, grüngrauer Schleier, und die Musik anderer Bands verlor jeden Reiz. Ich versuchte, mehr über Egor Letov, GrObs Liedermacher, zu erfahren, und hörte viele, manchmal widersprüchliche Beschreibungen - »der größte Poet Rußlands, Faschist, Nationalist, Kommunist, Provokant, Anarchist...«

Seine Texte verstand ich nur teilweise, ich verließ mich dabei auf die Ähnlichkeit zwischen der russischen und meiner serbischen Muttersprache. Die einzelnen Verse verschiedener Lieder erschienen mir sehr poetisch und bald fügte ich sie zu einem Gedicht zusammen, das eigentlich meiner Phantasie entstammte - Letovs Texte blieben mir ein Geheimnis...

Vor einiger Zeit spielte ich mit meiner Band in Moskau; am Tag nach dem Konzert lag unser Geiger betrunken und bewußtlos auf der Straße. Ich stand neben ihm, überprüfte manchmal, ob er noch atmete und redete mit einem Rußen, den ich am Abend davor kennengelernt hatte.

«Vor der Wende hat Letov gegen den Kommunismus gesungen. Nach der Wende hat er oft gesagt, daß es unter Kommunisten besser gewesen war als heute... Politische Zustände sind ihm, glaube ich, in gewisser Weise egal. Er ist ein Provokant... ein Misanthrop. Und ein Dichter.« - sagte der Russe mit leiser und schwacher Stimme, und schaute manchmal über meine Schulter. »Misanthrop«... Bei dem Wort wurde ich aufmerksam. Aber der Russe wollte nicht mehr über Letov sprechen, sagte nur daß »uns jetzt kein Polizist mit einem tot Betrunkenen erwischen soll, sonst landen wir in der Haft, und kommen nicht mehr so schnell raus.«

Ich verstehe immer noch sehr wenig davon, was Egor Letov singt, aber ich habe den Eindruck, daß er von Dingen singt, die ihm weh tun, und während er singt, tun sie ihm noch mehr weh, mit jedem Laut scheint sein Leid stärker zu werden . Inzwischen kenne ich auch viele seiner Lieder, die sehr lustig, ironisch und verspielt klingen, die aber immer von einem düsteren Beiklang in seiner Stimme überschattet sind.

Denis

www.grob-records.go.ru


Nachtrag: am 10.11.2000 hatten wir die Gelegenheit mit Egor Letov zusammen zu spielen.
Letov im Interview: "Autozynik. Good concert, devil-may-care" :)

Am 19.02.2008 verstarb Egor Letov.

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